Vor ein paar Wochen haben gleich zwei alte Tonaufnahmen prominenter Personen für einige mediale Aufmerksamkeit gesorgt.
Zum einen eine Aufnahme aus dem Jahr 1889, in der Bismarck einige Verslein aufsagt, darunter auch die Marseillaise (sic!).
http://youtu.be/czko31-6O8I
Zum anderen eine Aufnahme von Bertha von Suttner aus dem Jahr 1904, also 15 Jahre später:
http://www.mediathek.at/ueber_die_mediathek/schnelltonseiten/die_stimme_von_tante_boulotte
Nun hat Bertha von Suttner ziemlich Pech gehabt. Im Gegensatz zu Bismarck, bei dessen Aufnahme man ziemlich sicher ist, zu verstehen was er sagt, hat ihre Aufnahme ziemlich gelitten. Trotz Bemühungen zur digitalen Aufbesserung und einer Crowdsourcing-Aktion ist man sich noch nicht so ganz sicher, was sie denn nun wirklich sagt. (Die entsprechende Facebook-Diskussion findet man hier: https://www.facebook.com/Mediathek)
Eher zufällig kam mir diese Woche dann Jonathan Sternes Buch "The Audible Past. Cultural Origins of Sound Reproduction" in die Hände, das ich gerne jedem empfehlen möchte, der sich für solche Sachen interessiert. Sterne widmet nicht nur ein ganzes Kapitel der Funktion von Tonaufnahmen als "Resonant Tomb", sondern entwickelt auch eine interessante These zum Verhältnis, Mensch - Aufnahmegerät, die auch im Kontext von Bismarck und Bertha von Suttner interessant ist:
"But, in the process of creating and testing a machine designed to reproduce sound as souch, certain types of sounds were privileged as ideal testing material - specifically easily recognizable forms of human speech. (...) Rhymes, popular quotations, newspaper headlines, queries as to the effetiveness of the transmission (such as "Can you hear me?"), and instructions for action were among the most commonly used "tests" for reproudibility." (S. 247)
"Considere in retrospect, the fascinating aspect of automated reproduction is not in the machine's automatic fundction, as is often noted. Instead, what is truly fascinating is the automatic response of the speakers and listeners: to help the machine. (S. 251)
Würden wir Bertha von Suttner also besser verstehen, wenn sie die Marseillaise gesprochen hätte (was zugegeben, noch absurder als bei Bismarck gewesen wäre ;-) ), oder wenigstens vielleicht Schillers Ode "An die Freude"? Wir wissen's nicht. Interessant ist aber, dass auch 150 Jahre nach der Erfindung des Gramophons, in digitalen fast-alles-ist-möglich Zeiten, die Faszination und die Hilfsbereitschaft gegenüber den alten Aufnahmen weiterhin Bestand hat.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen