Mittwoch, 28. November 2012

Deutsche Digitale Bibliothek - Immerhin ein Anfang

"Freude herrscht" würden unsere Schweizer Nachbarn wohl sagen. Die Deutsche Digitale Bibliothek ist gestartet.
In der Beta-Version.
So nennt man das jetzt vermutlich, wenn man ein bisschen Angst hat, dass einem alles um die Ohren fliegen könnte.

Zunächst: Ja, toll! Es gibt jetzt ein Portal in Deutschland, das eine Meta-Suche in den Beständen unterschiedlichster Institutionen ermöglicht. Und tatsächlich gibt es hin und wieder auch Digitalisate. Sogar ganz nette, auf die man wohl sonst nicht so schnell gestoßen wäre.

Aber bei der Vorlaufzeit und etablierten Projekten wie Gallica oder Europeana hätte man sich irgendwie gefreut, wenn alles ein bisschen schöner dahergekommen wäre. Es muss ja nicht quitsche-bunt überall etwas hervorspringen, aber ein bisschen mehr hätte man sich trauen können. Sind die davonwehenden Blümchen, die irgendwie an Löwnzahn erinnern, etwa eine Reverenz an die Vergänglichkeit der digitalen Welt in Zeiten noch nicht so recht gelöster Langzeitarchivierung? Memento mori gleich zu Beginn?

Wie dem auch sei. Wenn man jetzt schon schön alles beisammen hat, würde man eigentlich auch gerne wieder einfach auseinander dividieren, was vielleicht gar nicht zusammen gehört. Das funktioniert bisher aber nur so halb und das ist nicht schön.
Schaut man sich die Institutionenliste an, wird einem stolz mitgeteilt, dass sich 1842 Institutionen beteiligen. Wow! Ein Blick auf die Karte ermöglicht ausserdem, digitale Ballungszentren ausfindig zu machen:
http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/about-us/institutions

Oh und man kann nach Facetten eingrenzen. Wählt man nun zum Beispiel "Forschung" aus, leert sich die Karte deutlich. Schauen wir doch mal, was die  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg so bietet.
http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/about-us/institutions/item/BDML5G6LJE7KZ6W3YIV2WWREU57V24RZ
Nix. Eine Adresse, ein Ausschnitt aus Google-Maps und die Information, dass es auch noch eine Bibliothek und ein Archiv gibt. Klickt man die an, zeigt sich das gleiche Bild.
Kein Digitalisat. Keine Meta-Daten weit und breit.
(Allerdings findet man natürlich das Archiv auch in der Rubrik Archiv und die Bibliothek in der Rubrik Bibliothek aufgeführt)
Vielleicht mal vie die Erweiterte Suche und Datenlieferant. Nein. Nix:
http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/searchresults?query=provider%3A%28%22Universit%C3%A4tsbibliothek%20Erlangen-N%C3%BCrnberg%22%29&offset=0&rows=20

Neuer Versuch, wenden wir uns doch mal der in Sachen Digitalisierung gerühmten UB Heidelberg zu. Klein und bescheiden steht nun neben dem Namen klein, bescheiden und verlinkt 17.649 Objekte.
Hm. Komisch. Da fehlen ja Leerzeichen zwischen dem letzten Wort des Titels und dem ersten Wort des Untertitels. Und dann erst noch: "Für diese Suchanfrage gibt es keine Ergebnisse mit Miniaturansicht. Um alle Ergebnisse anzuzeigen, schalten Sie die Option Nur Ergebnisse mit Miniaturansicht aus." Dann vielleicht mal Objekt beim Datenlieferanten anzeigen lassen?
http://www.bam-portal.de/searchExpert.do?query=id:/bam/library/ubhd/ub_bibliotheca_palatina/13254&action=search&format=html

BAM ... das kennen wir ja schon fast gar nicht mehr, dann weiterverlinkt zu HeidIcon, dann weiterverlinkt zum aktuellen Angebot: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg85/0186
Das ist ein langer Weg. Der aber vielleicht wenigstens historisch interessant ist, kann man doch eine gewisse institutionelle Entwicklung nachverfolgen. Aber warum gibt man dann nicht an, dass der Umweg über BAM gemacht wird? Und woher weiß ich jetzt, ob alle und wenn nicht, welche digitalisierten Bestände der UB Heidelberg erfasst wurden?
Die neueren schon mal nicht: zum Beispiel weder:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/salVIII64
noch:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstblatt17_1836
Da such ich erstmal lieber noch direkt "vor Ort".

Und es ist vielleicht auch Haarspalterei, wenn man sich darüber wundert, dass von 12 Datensätzen 12 angeliefert werden von der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußicher Kulturbesitz und 12 von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Immerhin verdoppelt man nicht und sagt, dass es 24 wären.
http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/searchresults?query=Johann%20Sebastian%20Bach&facetValues[]=keywords_fct%3DMusikhandschriften&viewType=grid

Aber ich hätte mich sowieso besser informieren sollen. In den FAQs für die Nutzer (sic!) (genauso wie: Wissenschaftler, Lehrer und Schüler, Hobby-Historiker, Familienforscher, Journalisten -- aber: immerhin stets "Studierende") findet man dann:
http://beta.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/faq/#F100
"Aktuell werden von rund 80 teilnehmenden Einrichtungen circa 5,5 Millionen Datensätze bereitgestellt."
Kann vielleicht irgendwo ersichtlich gemacht werden, welche das wohl sind?
Ausserdem:
"Dieser Grundstock ist deutlich größer als der, mit dem die Europeana 2008 gestartet ist."
Das war damals ja auch ein "fulminanter" ;-) Start ...
 und
"Etwas mehr als die Hälfte der Datensätze führt zu einem digitalen Objekt."

 Also 2.882.309 kommen allein schon mal vom Landesarchiv Baden-Württemberg. Das ist ziemlich cool. Aber davon sind nur 155.974 mindestens mit einer "Miniaturansicht" versehen.

Das würde heißen, dass fast alle anderen Datensätze mit Digitalisat vorliegen müssten?
Da sagen wir mal Danke nach Dresden, die 1.186.022 Datensätze mit 1.183.936 Digitalisaten liefern:
http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/searchresults?offset=0&rows=20&query=*&facetValues[]=provider_fct%3DS%C3%A4chsische+Landesbibliothek+-+Staats-+und+Universit%C3%A4tsbibliothek+Dresden&clustered=false&isThumbnailFiltered=true&viewType=list&sort=random_244494
 Aus der BSB in München kommen 609.467. Sind wir schon fast bei 4,7 Millionen.

Aber trotzallem:
Es ist irgendwie wirklich praktisch, dass man jetzt auch in Beständen suchen, kann, auf die man sonst nie gekommen wäre, zum Beispiel das Frisörmuseum ;-)
http://beta.deutsche-digitale-bibliothek.de/searchresults?offset=0&rows=20&query=provider%3A%28%22Fris%C3%B6rmuseum%22%29&clustered=false&isThumbnailFiltered=false&viewType=list&sort=RELEVANCE
Das Teil von digicult der Museen in Schleswig Holstein und Hamburg ist:
http://www.museen-sh.de/ml/digicult.php?s=1&t=1&sparte=museen&pid=
und wie die Museen im Saarland auch Datenlieferer ist:
http://saarland.digicult-museen.net/objekte/digicult.php?site=digiCULT-Objektdatenbank&1&t=1&sparte=museen&pid=&ps=1

Beide können zentral gefunden werden via: http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/searchresults?offset=0&rows=20&query=*&facetValues[]=provider_fct%3DdigiCULT-Verbund+eG&clustered=false&isThumbnailFiltered=false&viewType=list&sort=random_246330

Wir bleiben also gespannt. Und freuen uns auf Verbesserungen.
Und basteln uns in der Zwischenzeit ein "Gütesiegel deutscher Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen".

PS: Und für die Scan-Hände kann die Digitale Bibliothek ja nix ;-)
http://beta.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/LV5G7B52XS4S25Z2UA44L3YJVMP4WO4N 


Update: Wenn man eine leere Suche macht, werden alle Datensätze angezeigt, dann kann man sich unter Datenlieferant alle Beiträger anzeigen lassen. Wobei erneut zu beachten ist, dass beispielsweise die 4.375 des Geologischen und Mineralogischen Museums in Kiel in den 39000 Treffern von digicult ebenfalls enthalten sind.








Montag, 5. November 2012

Open Access, Author-Fees und Impact


What authors want from open access publishing: Wiley author survey, 2012 from Wiley Science Newsroom

Wiley hat seine Autoren zu Erfahrungen mit Open Access Publishing befragt. Knapp über 10'00 haben geantwortet und die Ergebnisse ...

  • 1/3 hat bereits Open Access publiziert - immerhin.
  • Fast 80% glauben, dass Open Access an Bedeutung gewinnt.
  • Mehr als 1/4 der befragten gab an, dass sie aus Mangel an Finanzierung nicht OA publizieren, wobei insgesamt 63% angeben, hierfür keine Finanzierung zu erhalten.
  • Argumente zum Überdenken der Publikationspolitik wären: Hoher Impact-Faktor, hohes Ansehen und strenge Peer-Review.
  • Und finally: Authors who have not published open access "are more likeliy to work in the Social Sciences" ;-) 
via: http://scholarship20.blogspot.ch/2012/11/what-authors-want-from-open-access.html

Sonntag, 4. November 2012

Gramophone Magazine nur noch als kostenpflichtige App

Das Archiv des Gramophone Magazines war mir in den letzten Jahren ans Herz gewachsen. Als Musikinteressierte hat man immer wieder spannende Sachen gefunden und auch als Historikerin immer wieder hilfreiche Quellen.

Gerade wollte ich mich mal wieder ein bisschen stöbern und was war: Nix war.
Alle Links haben nicht mehr funktioniert, stattdessen wurde man weitergeleitet und mit der tollen Nachricht konfrontiert, dass man jetzt das Magazin als App abonnieren könne. Toll. Inklusive Archiv.

"We’ve now taken that principle, and stretched it back over more than 1000 issues, to 1923, creating digital magazines of every single issue of Gramophone and made them available through an app."
http://www.gramophone.co.uk/classical-music-news/gramophone-launches-new-digital-archive-app

Für schlappe £39.99 im Jahr.

Nachträglich freut man sich dann wenigstens, dass man keine Zeit in die Crowd-Sourcing-Korrektur der Texte investiert hat ...

Kurz und gut: Ausserordentlich schade und auch ärgerlich. Denn es bleibt zu befürchten, dass das nur der Anfang ist und nach und nach immer mehr hinter kostenpflichtigen Angeboten verschwindet.

Achso: Oder natürlich hinter virtuellen nationalen Schlagbäumen. So wie hier:
http://sounds.bl.uk/Arts-literature-and-performance/Early-spoken-word-recordings/024M-1CL0013693XX-0100V0

Und wir schauen fröhlich dabei zu ...

Montag, 13. August 2012

MOOC – Massively Open Online Courses

Ich hab ja vor einiger Zeit schon mal kurz was zu Coursera gepostet und mittlerweile hat sich auf dem Gebiet der Online-Kurse schon wieder viel getan.

Zunächst: Es gibt nun einen Begriff dafür MOOC – Massively Open Online Courses. Ich stutz immer noch, wenn ich MOOC lese und muss überlegen was das jetzt schon wieder war, aber nicht nur mir kann da geholfen werden.

Einigen Artikeln zum Thema sei Dank:

Mills Kelly (Mills Kelly ist jetzt übrigens – endlich – auch bei Twitter: ) hat in  seinem Edwired-Blog gleich eine vierteilige Post-Serie über den "Online Course Tsunami" verfasst:

http://edwired.org/2012/06/20/the-online-course-tsunami/
http://edwired.org/2012/07/17/the-online-course-tsunami-2/
http://edwired.org/2012/07/21/the-online-course-tsunami-3/
http://edwired.org/2012/07/23/the-online-course-tsunami-4/

Auch Lyonel Kaufmann verweist auf den Trend:
http://lyonelkaufmann.ch/histoire/2012/08/12/revue-de-presse-engouement-massif-pour-les-mooc-affaires-universitaires
http://lyonelkaufmann.ch/histoire/2012/08/12/revue-de-presse-cours-massif-en-ligne-mooc-techniques-innovantes-pour-lenseignement-superieur/

Und schließlich gibt es einen eigenen MOOC über MOOCs:
http://hastac.org/blogs/cathy-davidson/2012/08/12/want-learn-more-about-moocs-heres-mooc-moocs

Freitag, 29. Juni 2012

Report: "Researchers of Tomorrow: The research behaviour of Generation Y doctoral students"

Nun, offenbar – und das versucht man mir in letzter Zeit an jeder Ecke zu versichern – gehöre ich zur Generation y. Schön. Dafür kann ich nichts, umsomehr dafür dass ich aber nun zur Gruppe der promovierenden Generation y-ern gehöre.

Deren Eigenschaften wurden nun in England untersucht. Die Studie bestätigt, was man auch im deutschen Sprachraum irgendwie schon ahnt, dass ihre Affinität zu Social Media nämlich nicht sonderlich hoch ist.
Hinzu kommt, dass man von Open Acces und zunehmend auftretenden Urheberrechtsfragen verunsichert ist (und sich auch nicht wirklich damit beschäftigt) und die technologischen Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen nicht im vollen Umfang nutzt. Stattdessen arbeitet man weiterhin brav für sich zu hause.

Hier einige Auszüge:

"In arts and humanities and social sciences over 90% of the students work on their research alone."

"On the other hand most of the arts and humanities students in the cohort preferred working from home. Working mainly in their own room or home offered quiet and comfort, but they acknowledged that it could be isolating. Those working from home appeared to put less emphasis on peer networking and support and highlighted more strongly the unique nature of their research."

"Take-up of most institutionally-provided and open web technology tools and applications is low among doctoral students overall"

"Levels of use of social media and other applications helpful in retrieving and managing research information are steadily rising among Generation Y doctoral students, but those applications most useful for collaboration and scholarly communications remain among the least used"

"For example, 80% of students had never maintained their own blog for their research, and 78% had never posted to someone else's blog. Over 70% had never maintained or collaborated online using wikis, and 58% had never posted contributions to themed discussions."

Die ganze Studie gibt's hier:
http://www.jisc.ac.uk/publications/reports/2012/researchers-of-tomorrowhttp://www.jisc.ac.uk/publications/reports/2012/researchers-of-tomorrow

Sonntag, 6. Mai 2012

Coursera

https://www.coursera.org/

Coursera ist ein Portal, das die mittlerweile sehr vielfältigen und frei zugänglichen Online-Lehrangebote amerikanischer Universitäten bündelt und zentral zugänglich macht.
So kann man ab Juli virtuell die University of Michigan besuchen und sich "Internet History, Technology, and Security" anhören (https://www.coursera.org/course/insidetheinternet) oder ab September in Princeton "A History of the World since 1300" (https://www.coursera.org/course/wh1300)
Oder aber auch seine Kenntnisse in "Social Network Analysis" (und Gephi) vertiefen (https://www.coursera.org/course/sna).

ORBIS - The Stanford Geospatial Network Model of the Roman World

http://orbis.stanford.edu/

Im letzten Post hatte ich es schon angekündigt, jetzt ist ORBIS - The Stanford Geospatial Network Model of the Roman World online.

"ORBIS: The Stanford Geospatial Network Model of the Roman World reconstructs the time cost and financial expense associated with a wide range of different types of travel in antiquity. The model is based on a simplified version of the giant network of cities, roads, rivers and sea lanes that framed movement across the Roman Empire. It broadly reflects conditions around 200 CE but also covers a few sites and roads created in late antiquity."

Neben vielen methodischen Überlegungen (Understanding Orbis, Buidling Orbis), was ein solches tool soll und kann, finden sich auch bereits Anwendungsbeispiele aus der Forschungspraxis (auf die man leider, wie auf den ganzen Inhalt der Seite, nicht direkt verlinken kann).

Das Herzstück befindet sich unter "Mapping Orbis" und bietet die Möglichkeit sich Reisedauer und -kosten verschiedenster Transportmöglichkeiten zwischen zahlreichen Orten des römischen Reichs ausrechnen zu lassen.

Laut Orbis brauchte man als Zivilreisender im Mai von Rom nach Köln auf dem schnellsten Weg 23,8 Tage, reiste die Küste entlang von Rom nach Genua, dann nach Augusta Raurica und von dort aus mit dem Schiff den Rhein rauf. Praktischerweise lassen sich die Ergebnisse dann auch noch exportieren, so dass man sie nach belieben weiterverwenden kann.

Schön.

Montag, 16. April 2012

Digitales Publizieren

Derzeit wird viel über die Zukunft wissenschaftlicher Publikationen als digitaler Publikationen diskutiert. Das ist wichtig und das ist gut.
Dabei sollten aber auch wir HistorikerInnen nicht aus den Augen verlieren, dass neue Publikationsformen auch neue Möglichkeiten bieten, die über den Einbezug der "Community" hinausgehen. Digitales Publizieren ermöglicht nämlich auch - und das klingt (und ist) ziemlich banal - die Einbindung digitaler Forschungsergebnisse und eröffnet damit auch neue Formen von Narrativität. Weniger banal hingegen ist es, solche Forschungsergebnisse erst einmal zu produzieren.

Ein Beispiel, wie man's machen kann, geht am 2. Mai online, wurde in Stanford produziert, befasst sich mit römischen Transportsystemen und heißt "ORBIS: The Stanford Geospatial Network Model of the Roman World"

Mehr dazu findet man hier:
https://dhs.stanford.edu/algorithmic-literacy/a-model-of-and-for-digital-publication